Guttenberg, Koch-Mehrin, Saß: Wie ich mir für 57 Euro einen Doktortitel kaufte. – Ein Geständnis.

Nachdem Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin und die Tochter von Edmund Stoiber, Veronica Saß, ihre Doktortitel aberkannt bekamen, sehe auch ich mich genötigt, meinen eigenen Doktortitel zurückzugeben.

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Nachdem Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin und die Tochter von Edmund Stoiber, Veronica Saß, ihre Doktortitel aberkannt bekamen, sehe auch ich mich genötigt, meinen eigenen Doktortitel zurückzugeben. Denn auch ich habe ihn unrechtmäßig erworben. – Und ich möchte mich hierfür aufrichtig bei Ihnen allen dafür entschuldigen.

Ich muss jedoch auch gestehen, dass ich nicht absichtlich getäuscht habe. Als meine Frau vor ein paar Jahre anregte,  dass ich mir eine Bahncard 25 zulegen solle, schrieb ich mich online bei ‚bahn.de‘ ein und bestand auch alle Prüfungen die zum Erlangen der begehrten Bahncard zu absolvieren waren. Mein  ‚Doktorvater‘ Hartmut Mehdorn stellte mir umfangreiche Fragen (Geburtsdatum, Kreditkartennummer) die ich jedoch alle korrekt beantworten konnte. Irgendwo in der Online-Prüfung musste man auch angeben, ob auf der Bahncard vor dem eigenen Namen ein Titel stehen soll. Wenn ich mich recht erinnere, waren zur Auswahl Titel wie Professor, Graf, König, Diktator und eben auch Doktor.

Ich weiß nicht ob es die Angst war, die begehrte Bahncard vielleicht nicht zugesprochen zu bekommen oder ob es meine ungeordnete Arbeitsweise, mit gelegentlich chaotischen Zügen(!), war, die mich wahrscheinlich ganz aus Versehen auf den Doktortitel klicken ließ, – auf jeden Fall lag es mit Sicherheit auch an meiner vielfachen Arbeitsbelastung (Familie, Arbeit, Bahncard beantragen) die mir teilweise über den Kopf gewachsen ist. Hinzugekommen ist natürlich noch die Erwartungshaltung der Familie, die bestehenden Anforderungen (Bahncard beantragen) erfolgreich zu bewältigen. All diese Gegebenheiten, die zeitliche Dauerüberforderung und die Tatsache, dass ich  mir meine Schwäche nicht eingestehen wollte, führten dann dazu, dass ich keine Sorgfalt walten ließ, und in Folge dieser Umstände, mein ‚Doktorvater‘ Hartmut Mehdorn mir die Doktorwürde zum Preis von 57 Euro zu Unrecht verlieh.

Ich gestehe, dass ich den letzten Jahren zahlreiche Vorteile durch den Doktortitel genoss. So waren die Zugbegleiter immer sehr freundlich zu mir, sobald sie meine Bahncard erblickten, während andere Passagiere ohne Doktortitel, ohne Bahncard und ohne Ticket schon mal aus dem Zug geworfen wurden. Auch beim REWE in der Schlange vor der Kasse musste ich nur meine Bahncard zücken und den vor mir stehenden Kunden zurufen „Guckt mal, da steht Doktor drauf“, schon wurde ich vorgelassen. Auch beim weiblichen Geschlecht („Soll ich dir mal meine Bahncard zeigen?“) verfehlte der Doktortitel seine Wirkung nicht. Auf die gelegentliche Frage, in was ich denn meinen Doktor gemacht hätte, antwortete ich raffiniert „Gynäphilotrophie“ und erklärte anschaulich, dass dies eine neue , sehr komplexe, Fachrichtung sei, die verschiedene wissenschaftliche Disziplinen miteinander verknüpfe und bisher nur rein theoretisch zur Anwendung komme.

Dies ist also meine ehrliche Beichte und ich möchte den jetzigen Vorsitzenden der Bahn, Herrn Rüdiger Grube, darum bitten, mir meinen Doktortitel wieder abzuerkennen und die Bahncard gleich mit einzuziehen. Dann muss die Bahn auch nicht jedes Jahr aufs Neue 57 Euro ungefragt von meinem Konto abbuchen und alles wäre gut!

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