Die e-Zigarette erobert Deutschland

Neulich saß ich im ICE nach Berlin. Die Fahrt war wie immer langweilig, das Abteil war wie immer relativ stickig.
Doch irgendwann, nach einem Halt des Zuges, nahm ich einen leichten, angenehm süßlichen Geruch nach Vanille war. Ich drehte den Kopf und schaute mich um. – Und glaubte im ersten Moment meinen Augen nicht zu trauen: Eine junge Frau, eben wohl erst zugestiegen, in der gegenüberliegenden Sitzreihe hinter mir, hatte sich doch tatsächlich eine Zigarette angezündet. Erst beim zweiten Hinsehen fiel mir auf, dass es sich mitnichten um eine echte Zigarette handelte, sondern, dass sie an einer e-Zigarette  zog.

Sie tat das unauffällig, immer darauf bedacht, nicht zu sehr aufzufallen, da sie wohl fürchtete, als „Dampferin“ (so bezeichnen sich oft Konsumenten der elektronischen Zigarette) den Unmut der Mitreisenden auf sich zu ziehen. Die e-Zigarette ist mit einer herkömmlichen Zigarette jedoch nicht zu vergleichen. Und sie ist auch längst bei den Menschen angekommen und akzeptiert. – Immer mehr Raucher – inzwischen über 2 Millionen – steigen auf e-Zigaretten um oder versuchen, sich damit das Rauchen abzugewöhnen oder es einzuschränken.

Andres als bei Zigaretten, wird bei der e-Zigarette nämlich kein Tabak (mit seinen krebsverursachenden Inhalten und Beimischungen) verbrannt, sondern eine Flüssigkeit (Liquid) verdampft. Das Liquid besteht hauptsächlich aus Glycerin und Propylen-Glykol (beides bekannt aus Nebelmaschinen) und einem Aroma, welches für den Geruch, den die e-Zigarette abgibt, verantwortlich ist. Die Liquides gibt es mit und ohne Nikotin-Beimischung: Wer sich also das Rauchen wirklich abgewöhnen möchte, hat die Chance, zunächst auf e-Zigaretten mit Nikotin umzusteigen, um dann vielleicht ganz vom Nikotin abzulassen und nur noch aromatisiertes Liquid ohne Nikotin zu „dampfen“.

Doch ist der Dampf aus der e-Zigarette wirklich gesünder, als der Rauch einer herkömmlichen Zigarette? Hier streiten sich die Geister: Zum einen nimmt der Zigarettenraucher mit jedem Zug an der Zigarette eine Menge gefährlicher Giftstoffe zu sich, die eine e-Zigarette nun mal nicht enthält. Zum anderen, können auch die Inhaltsstoffe eines Liquides die Lunge in Mitleidenschaft ziehen oder allergische Reaktionen hervorrufen. Da die e-Zigarette erst seit gut 10 Jahren in Deutschland auf dem Markt ist, gibt es bezüglich gesundheitlicher Folgen noch keine Langzeitstudie, jedoch auch noch keinen Fall von Lungenkrebs.

Die Tendenz scheint jedoch dahin zu gehen, dass auch vom Gesetzgeber die gesundheitlichen Folgen des Konsums von e-Zigaretten als weitaus ungefährlicher angesehen werden, als die des Konsums von normalen Zigaretten. So hat erst vor kurzem das Oberverwaltungsgericht Münster entscheiden, dass das nordrhein-westfälische Nichtraucherschutzgesetz nicht für die e-Zigarette gilt. – So bleibt die Benutzung von e-Zigaretten in Gaststätten in NRW weiterhin erlaubt (sofern der Betreiber der Betriebs dies gestattet). Da bei e-Zigaretten kein Tabak verbrannt wird, sondern nur Liquides verdampft werden, handele es sich nicht um Rauchen, entschieden die Richter.

Außerdem seien die Gefahren für Dritte auch nicht mit denen des Zigarettenqualms vergleichbar. Mit diesem Urteil schlossen sich die Richter in zweiter Instanz einem Urteil des Landgerichts Köln an. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.

Übrigens fallen die e-Zigaretten auch seit Mai 2014 unter die Tabakrichtlinie der EU. Daher sollen bald auch die Liquides Warnhinweise erhalten und der Nikotingehalt begrenzt werden.

Hinweis: Der Autor des Artikels war Raucher und hat vor zwei Jahren mit
dem Rauchen aufgehört. Bevor er das Rauchen ganz einstellte, hat er auch
Zigaretten ohne Zusatzstoffe sowie e-Zigaretten konsumiert.

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