Was wäre das Fernsehen ohne Werbung? Doch nichts anderes als eine niemals endenden DVD. Ja bäh. Da müsste man die Pausentaste drücken, um mal pinkeln zu gehen. Und was wären wir aufgeschmissen, wenn wir im Supermarkt vor den verschiedenen Klopapierpackungen stünden und nicht wüssten, daß es Marken gibt, die problemlos und ohne zu reißen selbst die Kötttel von einem Bärenfell abwischen können!
Fernsehwerbung ist die Folter der Neuzeit. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen. Spots, die selbst nach 50x ansehen noch nicht zum Amoklauf bewegen und einen nicht zum dauerhaften Boykott des beworbenen Produkts verleiten.
Was gefällt und was nicht – das wollte missfitsbizz gerne wissen und rief zur Blogparade. Nur zu gerne folge ich dem Ruf. Meine Top-Ten der schlechtesten Spots gibt es im folgenden:
Platz 10: Die tanzenden Gucci-Skelette
Oder, anders gesagt: Die Armee der Finsternis bewirbt ein Parfum. Vollgekokste Möchtegern-Äthiopierinnen, die über den Bildschirm stolpern, um Duftwasser anzpreisen, das gab es schon einmal. Damals wankte man für Calvin Klein und das auch noch in schwarz-weiß. Für Gucci tanzen die Skelette dagegen in goldenem Licht. Und damit sie nicht auseinanderfallen, sind sie vorsorglich mit breiten Armbändern ausgestattet, die um die Taille geschlungen wurden. Soll Lust auf Parfum machen? Ich bekomme dabei Appetit. Auf Schweinshaxe, Bratwürste und Schokolade. Aber das stellt Gucci ja noch nicht her. Zum Glück.
Platz 9: Shit happens – besonders in der Werbung
Hätten sie sich doch mal getraut und den Slogan denn auch so genannt: Because shit happens. Wäre doch passend für eine Versicherungsgesellschaft: Dir passiert so richtig Scheiße, aber schwupps, da kommen die Versicherungsfuzzis, beseitigen schnell und problemlos das Desaster – und alles ist gut. Andererseits wäre das auch dreist gelogen. Denn meistens geht die Scheiße ja erst nach dem Schadensfall los – nämlich dann, wenn man sich durch das Kleingedruckte wühlt und feststellt, daß selbstverständlich jeder Schadensfall abgedeckt wird – mit Ausnahme von Schäden durch Zufälle, Unfälle, Absicht, Versehen, Umstände, Tatsachen, Verschulden, inneren und äußeren Einflüssen. Und so muß man sich damit abfinden, daß man zwar haufenweise Kohle in die hübschen Marmor- und Kristallpaläste der Gesellschaften gepumpt hat, aber selbst arm und abgebrannt in den stinkigen Resten der abgefackelten Bude hocken bleibt. Die Welt ist halt im Wandel und auf Veränderungen muss sich der Kunde einstellen. Und so heißt es bei der Züricher Versicherung auch ganz richtig: Because change happenz…
Platz 8: Scheiß, Scheiß Pinguin
Ich bemerke, daß ich im Zuge dieser Blogparade das Wort “Scheiße” inflationär gebrauche. Das war zwar zu erwarten, aber ich bitte trotzdem, die fäkalsprachlichen Ausrutscher zu entschuldigen. Die Ausrutscher der Werbemacher, die uns seit gefühlten Jahrzehnten mit tanzenden Pinguinen quälen, kann ich dagegen nicht entschuldigen. Immerhin beweist die Werbung, daß Pinguinkinder genauso nervtötend sein können wie Menschenkinder. Schade, daß der beworbene Schokoriegel nicht als Verhütungsmittel taugt – passend wär’s ja.
Platz 7: Der Kopffüssler vom Saturn
Von der schreienden, von Kaffeemaschinen umkreisten Kampfroboterdomina zum elitären Kopffüssler mit Abneigung gegen hochpreisige Artikel war es laut Saturn kein kleiner Schritt, sondern ein verdammt harter Weg. Leider auch für den werbegeplagten Zuschauer. Das Wesen ohne Schultern taugt allerdings hervorragend als Werbeträger – schließlich verbreitet es den Sex Appeal eines Kühlschranks. Und das passt dann ja wieder.
Platz 6: Die XBox 360 Hohlköpfe
Treffender kann Werbung ja eigentlich nicht sein. Welche Auswirkung haben Spielekonsolen auf den Verbraucher? Völlig klar: Sie verwandeln einen in hirnlose Konsumenten, die auch wirklich jeden Scheiß kaufen würden. Die kleine Horrorshow mit den hirnamputierten Hohlbirnen soll Lust auf die XBox machen? Vielleicht in Racoon City, aber nicht bei mir.
Platz 5: Der untalentierte Staubwedel
Woran denken Frauen in exponierten Positionen? Völlig klar! An’s Staubwischen! Wir kommen eben von unserer evolutionär-biologischen Bestimmung nicht los – selbst wenn wir in der Chefetage sitzen. Doch statt adretten Kittelschürzen tragen wir jetzt Kostümchen, wenn es um die Entscheidung geht, welches Putzwerkzeug unseren Ansprüchen genügt. Ich gehe dann mal meinem Staubsauger eine Abmahnung erteilen und verlange von meinem Spülschwamm den Jahresabschlussbericht…
Platz 4: Bauer quält Frau
Da schaust du dir nichts ahnend einen hochromantischen Schmachtfetzen an, lässt dich von den Darstellern in die Welt der Sehnsucht und Fantasie entführen, alles ist so wunderbar weichgezeichnet und die Musik trägt dich sanft dahin – und dann! Ja dann, ganz plötzlich pöbelt dich ein Bauer an und reißt dich aus den schönsten Träumen. Deine Ohren bluten und deine Hände wandern zitternd zum Diazepam oder zur Pumpgun. Den künstliche Klarmobil-Kampflandwirt mit hohem Aggressionspotential wünsche ich die Schweinepest an den Hals und die Mistgabel in den …, naja, ihr wisst schon…
Platz 3: Das i-nfache Phonemenü
Mensch, ist das einfach! Du streichelst ein paarmal dein iPhone und schon hast du eine völlig sinnlose Applikation gekauft! Ist das nicht super easy? Gut, daß das Zeugs Kohle kostet, wird im Spot verschwiegen. Daß der Erwerbsprozess eigentlich nicht so ganz abläuft, wie gezeigt, das wird immerhin zugegeben: Mit Lupe und Pausentaste ist das Kleingedruckte gut zu erkennen: Sequenz gekürzt. Hm, ok. Da wird mir also die Einfachheit eines mobilen Verkaufs angepriesen, aber wesentliche Punkte ausgeblendet? Aha, Verarschung auf hohem Niveau. Ich würde was geben, hätten sie sich den ganzen Spot gespart…
Platz 2: Die verstopften Frauen
Weibliche Wesen leiden an Darmträgheit. Dieser altbekannten Tatsache trägt der Werbespot eines Joghurts Rechnung und preist die fäkalbeschleunigende Wirkung des selbigen an. Moderne Frauen erklären mit gelöster Miene, daß sie nach nur 2 Wochen endlich wieder Freundschaft mit der Kloschüssel geschlossen haben. Das wollen wir doch alle auch wirklich wissen! Und schmeckt auch noch lecker! Der Joghurt natürlich. Der Spot dagegen hinterlässt einen faden Nachgeschmack und gehört endlich abserviert.
Platz 1: Die sahnespritzende Sexmaschine
Was wollen wir Frauen? Einen zuverlässigen Partner, der auf Knopfdruck so richtig heiß wird, der schäumt vor Leidenschaft, der immer kann und es uns dann so richtig besorgt? Genau! Und weil die Werbemacher das natürlich wissen, preisen sie uns neuerdings Kaffeemaschinen an, die voll heißer Erotik zu den Klängen von Sex Machine zwischen dutzenden Frauen Tassen neckisch zucken und immer und immer wieder abspritzen Kaffee ausschenken. Na Mädels, wenn das mal nicht das ideale Weihnachtsgeschenk ist!
Ich frage mich, wann der nächste feuchte Traum eines Marketinggenies wahr wird und wir endlich den ersten sexy Kloreiniger zu Gesicht bekommen (jaa, Baby, los, besorgs dem dreckigen Urinstein!).
Ich wünsche Euch eine schöne Weihnachtswoche und lasst die Glotze doch mal aus. Kommt eh nur Müll.
Herzlichst, Euer blondes Alien.







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Keine Frage, Pinguine und schlechte Verdauung sorgen dafür, dass die “privaten” immer seltener auf meiner Senderliste auftauchen.
Und dann noch “Kötttel” mit 3 “t”!
Katja, Du bist klasse!