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Hot’n’Spicy

veröffentlicht von Judith Babic am 4. Dezember 2008 Kategorie Satire. Du kannst allen Kommentaren dieses Beitrags folgen RSS 2.0. Du kannst einen Kommentar oder einen Trackback für diesen Beitrag hinterlassen

Das Leben ist kurz, die Zeit ist knapp bemessen, die Arbeit verschlingt einen, und wenn man wieder zurück in den trauten vier Wänden ist, will man selber etwas veschlingen. Natürlich haben Sie ob des täglichen beruflichen Stresses mal wieder das Essen vergessen. Also suchen Sie den nächstgelegenen Supermarkt auf und bedienen sich üppig bei den zahlreich angebotenen Dosen- und Tiefkühlprodukten.

Und schon haben Sie den Grundstein dafür gelegt, sich nun auch noch den wohlverdienten Feierabend gründlich zu vemiesen. Denn, mal ehrlich – die Scheiße ist teuer und schmeckt nicht. Obendrein hält sie auch noch ein paar enttäuschende, ja sogar erniedrigende Erlebnisse der besonderen Art für Sie bereit.

Nehmen wir mal an, Sie hatten im guten Willen, sich trotz TK-Kost halbwegs gesund zu ernähren, nicht – wie sonst üblich – zu den sogenannten Baguettes gegriffen, die vermutlich in kulinarisch kultivierteren Kreisen als biologischer Baustoff Verwendung finden, sondern sagten sich “Fisch ist lecker und hat ja auch diese Omega-Irgendwas-Säuren” und kauften sich deshalb ein so genanntes “Schlemmerfilet”.

Nun nimmt das Elend seinen Lauf, denn zurück im trauten Heim müssen Sie feststellen, dass das Scheißteil geschlagene 35 Minuten braucht, bis es verzehrfertig ist!
Also werfen Sie den Backofen an und das Filet hinein. Ungefähr eine Viertelstunde können Sie sich mit dem Öffnen der Post vom mittlerweile schon fast übermächtigen Hungergefühl ablenken, dann treibt es Sie zum Herd. Und siehe da: Die leckere Kruste “à la bordelaise” sieht doch schon ganz gut aus, bestimmt haben die in der Zubereitungsanleitung übertrieben…

Sie holen das Teil also zum ersten Mal aus dem Backofen, lassen es natürlich in der unansehnlichen Aluschale, für Kleinigkeiten wie Teller und Serviette ist jetzt keine Zeit – und rein damit! Das ist der Zeitpunkt, an dem Sie zum ersten Mal von starkem Zweifel ob Ihrer eigenen und der Zurechnungsfähigkeit der sich selbst als Nahrungsmittelhersteller bezeichnenden Wesen beschlichen werden. Der geschmacksneutrale Belag erweist sich nämlich als lauwarm, der darunter befindliche Fisch ist jedoch glibberig roh. Kurz erwägen Sie, das Ganze trotzdem zu verzehren (“Der Hunger treibt´s rein”), besinnen sich dann aber auf den letzten Rest an Zivilisation, der Ihnen noch geblieben ist und schieben das “Schlemmerfilet” wieder zurück in den Ofen.

Nach der vom Hersteller angegebenen Zubereitungszeit holen Sie es schmachtend wieder hervor, nur um anschließend wie ein Rumpelstilz mit Rinderwahn durch die Küche zu springen und laut zu fluchen – jetzt ist die Fischpampe nämlich so heiß, dass Sie sich in Mund- und Rachenraum Verbrennungen dritten Grades zugezogen haben und die Haut Ihres Gaumens im Ganzen abziehen können.

Laut schimpfend schwören Sie sich, beim nächsten Mal alles anders zu machen.

Eine Gelegenheit ergibt sich alsbald, denn das Wochenende steht vor der Tür. Es ist also an der Zeit, soziale Kontakte zu pflegen. Zu diesem Zweck begeben Sie sich am Samstagabend in Ihre Stammkneipe. Wohl wissend, dass Sie am Ende eines solchen Abens voll, aber hungrig nach Hause zurückkehren werden, haben Sie sich im Discounter Ihres Vertrauens mit TK-Salamipizza sowie einer Dose Erbsensuppe eingedeckt.

Der Abend nimmt den üblichen Verlauf und nach drei bis dreißig Pils nebst zugehörigen höherprozentigen Getränken beschließen Sie, nach Hause zu gehen, um vor dem Schlafengehen noch eben die Pizza zu verschlingen. Also Backofen an, Pizza rein.

Sie werden von der Feuerwehr geweckt, die besorgte Nachbarn riefen, da aus Ihrer Wohnung dichte Rauchschwaden drangen. Nachdem Sie gründlich gelüftet und sich bei den Nachbarn sowie den Feuerwehrleuten entschuldigt haben, finden Sie im noch angeschalteten Backofen ein handtellergroßes Stück Kohle vor, das sich nun gewiss nicht mehr zum Verzehr eignet. Sie entsinnen sich der Dose Erbsensuppe, die Sie noch im Haus haben, finden aber wegen akuter Verkaterung und Rauchgasvergiftung den Dosenöffner nicht.

Also machen Sie sich, nach Qualm stinkend, im Bauch ganz mulmig und im Kopf ganz schwammig, zum nächsten Burgerbrater auf – und genau da gehören Sie in Ihrem derzeitigen Zustand auch hin!

Dabei ist es doch so einfach!

Vor dem nächsten Suff kaufen Sie ein schones Stück Hühnerfleisch, das Sie in kleine Stücke schneiden und dann in ein paar Schlucken Sojasoße mindestens eine halbe Stunde einlegen (der Fachmann nennt das „marinieren”).
In der Zwischenzeit schneiden Sie eine Möhre in Stifte, eine Stange Porree in Ringe, eine gelbe Paprika in Streifen, eine kleine Zwiebel in Würfel und eine Knoblauchzehe sowie eine Chilischote in winzige Stückchen.
Nun schmeißen Sie das Hühnerfleisch in eine Pfanne, in der Sie vorher etwas Öl erhitzt haben, und braten es scharf an, bis es auf Sie durchgebraten wirkt. Wenn Sie sich hier unsicher sind, probieren Sie ruhig zwischen durch einige Stückchen.
Dann nehmen sie das Fleisch aus der Pfanne und tun stattdessen das Gemüse hinein. Das braten Sie nun bei nicht ganz so großer Hitze für fünf bis zehn Minuten.
Probieren Sie zwischendurch, ob die Konsistenz Ihnen zusagt.
Dann geben Sie das Hühnerfleisch zum Gemüse in die Pfanne und gießen eine Büchse Kokosmilch dazu.
Jetzt müssen Sie das Ganze nur noch aufkochen, alles ein paar Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen und mit Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel sowie was immer Sie an Gewürzen sonst noch vorrätig haben, abschmecken – fertig!

Seien Sie experimentierfreudig, probieren Sie andere Fleisch- und Gemüsesorten aus sowie alles, was das Kräuter- und Gewürzregal hergibt! Das Rezept gelingt meistens auch den ganz blutigen Kochanfängern, ist schnell zubereitet, schmackhaft, gesund und allemal besser als eingangs erwähntes „Schlemmerfilet”. Außerdem bringt es Ihnen die durch den Suff verbrauchte Energie zurück.

Falls Sie Angst haben, dass Sie davon eventuell nicht satt werden könnten, kochen Sie sich einfach noch etwas Reis dazu. Wie das geht, erkläre ich Ihnen dann beim nächsten Mal – wenn Sie Ihre Küche wieder ohne Atemschutz betreten können…

Foto: pixelio / fisch777

Categories: Satire
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1 Antwort für “Hot’n’Spicy”

  1. Richard sagt:

    Anmerkung zum Schlemmerfilet: Mit 20% SCHOLLENMUS ! Muss eine ja eine heiden Arbeit sein, die ganzen Schollen durchzumusen nur damit unsereins mal ein Schlemmererlebnis hat. Danke Herr Iglo und Gruß an die Fische.

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