Nur wenigen Eingeweihten ist bekannt, dass der Eisprung (Follikelsprung, Ovulation) auch in der modernen Populärmusik immer wieder thematisiert wird. Es waren wohl die Beatles, die dem Eierlaufen in den Hitparaden Tür und Tor öffneten, und zwar mit ihrer 1964er Hitsingle “Ei feel fine”.
Waren die jungen Männer anfangs plakativ in ihrer Wortwahl und ersparten dem geneigten Hörer auch nicht die Auseinandersetzung mit möglicherweise durch die Ovulation verursachten Problemen (“Day Tripper”), so wurden sie nach und nach etwas subtiler und erwähnten den Eisprung nur noch implizit (“Come together right now over me”).
Die großen Rivalen der Beatles, The Rolling Stones, konnten bei diesem Sujet nie wirklich mithalten. Ihre Ode an das im Eierstock auf seinen Einsatz wartende Ovum (“Time is on my side”) verhallte weitgehend ungehört. Trotzdem bahnte sich fürderhin die Ovulation unaufhaltsam ihren Weg in die Popmusik, und machte dabei vor keinem musikalischen Genre halt.
Ob es explizite Hymnen waren wie Bob Marleys “Ovulation Song” (“We forward in this generation triumphantly. Won´t you help to sing these songs of freedom? Cause all I ever have: Ovulation song”), versteckte Andeutungen wie in Metallicas “Sad but true” (“I’m your life, I’m the one who takes you there”, oder auch “I’m inside, open your eyes, I’m you”) oder Bob Geldofs lustiges Gute-Laune-trotz-PMS-Lied “Great Song of Ovulation”, der übrigens aus der Perspektive der Eizelle geschrieben wurde (“I don’t mind if you come or go, I don’t mind if you say no, couldn’t care less, baby let it flow, ’cause I don’t care at all”), der Eisprung war nicht mehr zu stoppen.
Selbst in die sonst eher von maskulinen Themen geprägte HipHop-Musik hielt er Einzug! Wer erinnerte sich nicht an Titel wie “Jump around” von House of Pain oder “Jump” von Kriss Kross, die ja noch heute echte Tanzboden-Füller sind.
In dem Zusammenhang muss endlich mal mit dem Vorurteil aufgeräumt werden, dass der Follikelsprung eine Kunstfigur beim Veitstanz sei. Ein inhaltlicher Zusammenhang liegt zwar auf der Hand, konnte aber nie bewiesen werden. Ein weiteres heikles Thema, nämlich das Einsetzen ihrer Menopause, verarbeitete die große Tina Turner in ihrem Hit “Golden Ei”. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ihr großer Abgesang auf die Fruchbarkeit “James Bond”-Titelsong werden sollte?
Endgültig wurde dem Eisprung der Weg in den Mainstream geebnet durch Nirvanas berühmtes 1993 erschienenes Konzeptalbum “In Utero”.
Mittlerweile ist die Ovulation aus den weltweiten Charts nicht mehr weg zu denken, und auch in der deutschen Popmusik wurde sie immer wieder aufgegriffen. Hier sei als Beispiel nur die aktuelle Single von Ich+Ich “Stark” angeführt, welche eine Ode des pessimistischen Eis an seine Besitzerin mit Kinderwunsch darstellt (“Und du glaubst, ich bin stark und ich kenn den Weg, du bildest dir ein, ich weiß wie alles geht, du denkst ich hab alles im Griff und kontrollier was geschieht aber ich steh nur hier oben und sing mein Lied”).
Ei ei ei…

Cartoon: Michael Holtschulte







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