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Schreib mal wieder – Bornemanns neue Briefmacken

veröffentlicht von Heiner Hänsel am 29. Januar 2007 Kategorie Kritik/Meinung, Medien. Du kannst allen Kommentaren dieses Beitrags folgen RSS 2.0. Du kannst einen Kommentar oder einen Trackback für diesen Beitrag hinterlassen

Den jüngeren Lesern wird der Name Winfried Bornemann nicht allzu viel sagen. 

Die Ü-30 Generation kennt den Mann jedoch aus den Achtzigern.

Winfried Bornemann war der Mann, der unsinnige, witzige und absurde Briefe an Behörden , Firmen und andere Institutionen schrieb, die Antworten sammelte und den gesamten Briefverkehr dann in seinen Büchern dokumentierte. Das war lustig, überraschend und nicht selten auch entlarvend. 

Seit dieser Zeit hat sich einiges getan: Der ‘Briefverkehr’ wurde zum großen Teil durch E-Mail-Verkehr ersetzt, und wenn man andere öffentlichkeitswirksam in ‘Bornemann-Art’ auf den Arm nehmen will, dann bedient man sich des Telefons (Bodo Bach, Paul Panzer, u.a.) 

Dementsprechend skeptisch war ich, als uns ” Bornemanns neue Briefmacken” in die Redaktion geschickt wurde. Ist diese Form der Satire, die der Lehrer aus Osnabrück schon seit nunmehr 25 Jahren betreibt, noch up to date? 

Um es gleich vorweg zu nehmen: ja, ich habe gelacht!

Zwar trifft nicht jeder von Bornemanns Briefen meinen Nerv, da er sich manchmal zu sehr aufs Rumblödeln beschränkt, jedoch bietet das Buch auch einige wirkliche Highlights!

So hat es schon seine eigene Komik, wenn Bornemann sich als Frau und “Mitglied der kath. Frauengemeinschaft Osnabrück” ausgibt und Schriftverkehr mit dem Erzbischof von Salzburg, dem Österreichischen Pastoralinstitut und sogar mit dem Vatikan hat und von diesen auch sehr ernst genommen wird. Den Inhalt der Briefe muss ich an dieser Stelle gar nicht wiedergeben um die Komik dieser Briefwechsel zu dokumentieren, es genügt schon wenn ich verrate, unter welchem Pseudonym Bornemann die Katholiken angeschrieben hat: “Gisela v. Grosse-Tytten”. – Und wenn ein Brief des Vatikans beginnt mit “Sehr geehrte Frau Grosse-Tytten!” dann ist das schon eine Nummer für sich.

Doch nicht jeder fällt auf Bornemann herein, – aber selbst das kann lustig sein. Wenn Bornemann (immer noch als Gisela v. Grosse-Tytten) an den Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) schreibt “Sehr geehrter Herr Minister Wulff, soeben höre ich von ihrer Tätowierung. Das könnte ja vielleicht noch lustig sein, aber eine nackte Frau auf dem Oberarm nenne ich einfach sexistisch! …” und Christian Wulff antwortet “Woher haben Sie nur die Informationen über mein Tatoo auf dem Oberarm? Wissen sie womöglich auch von meinen Tatoos auf Schultern, Waden, Brust und Rücken (…) auf meiner Brust befinden sich auf der einen Seite mein Hund und auf der anderen Seite ein Portrait meiner Tochter”, dann hat das auch seinen ganz eigenen Charme.

Entlarvende Funktion hat Bornemanns Briefwechsel mit der ‘Baumann Unternehmensberatung’ aus Frankfurt am Main. – Baumann ist darauf spezialisiert für seine unterschiedliche Klientel Führungskräfte zu suchen / zu akquirieren. Wer sich schon einmal den Stellenanzeigenteil der FAZ angesehen hat, der kennt die vielen, großen Baumann-Anzeigen (siehe Bild):

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 Der Buchautor hat sich auf diese Anzeige mit einem schlichten Brief (ohne sonstige Bewerbungsunterlagen) beworben: “… habe ich als Leiter einer Forschungsgruppe in Singapur an Projekten zur innovativen Energiespeicherung gearbeitet. Was Sie in Ihrer Anzeige als zukunftsweisende Lithium-Ionen-Polymer-Technologie preisen, galt bei unseren Forschungen als längst überholt…”

Die Unternehmensberatung Baumann antwortet auf diese doch etwas abstruse Bewerbung: “… Bitte senden Sie uns deshalb noch Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen – tabellarischer Lebenslauf, Zeugniskopien, Lichtbild usw. – zu…”

Und Bornemann kontert mit einer unglaublichen Dreistigkeit: “… Meine Reputation in der Branche ist so groß, dass niemand von mir Lichtbilder, Lebensläufe und das gesamte übliche Zeug erwartet…”

Und dann lernt der Leser was fürs Leben, nämlich, dass es bei Bewerbungen halt doch nur auf den Schein und nicht auf das Sein ankommt. Denn die Unternehmensberatung Baumann bettelt: “… Bitte geben Sie uns Ihre Telefonnummer an, damit wir mit Ihnen in Kontakt treten können. Sie können dies auch gerne per E-Mail (…) oder Fax…”

Alleine für diesen Briefwechsel lohnen sich schon die 9,90 Euro, die das Buch kostet.

Urteil: Lesenswert

 

Winfried Bornemann
Bornemanns neue Briefmacken
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