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Alle Farben dieser Welt. Der Maler Gerd Winter im Interview

veröffentlicht von Gerald Block am 26. November 2009 Kategorie Aufmacher, Kultur. Du kannst allen Kommentaren dieses Beitrags folgen RSS 2.0. Du kannst einen Kommentar oder einen Trackback für diesen Beitrag hinterlassen

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Gerd Winter: Mitglied der Darmstädter Sezession. 1993 Preisträger des Georg-Christoph-Lichtenbergpreis für bildende Kunst des Landkreises Darmstadt-Dieburg und Wilhelm-Loth-Preisträger 2005.Foto: Gerald Block

Der in Groß-Gerau geborene, in Roßdorf lebende Maler und Frankfurter Städel-Meisterschüler Gerd Winter (58) steht im 38sten Jahr seines künstlerischen Schaffens. Der Wilhelm-Loth-Preisträger des Jahres 2005 stellte bereits als junger Maler in seiner Heimatgemeinde und im belgischen Tielt aus. Gleich mehrere namhafte Galerien arbeiten heute mit ihm zusammen. Gerd Winter kann auf zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in den vergangenen drei Jahrzehnten zurückblicken. Überdies besitzen knapp 30 öffentliche Sammlungen in Deutschland (u.a. in München, Frankfurt a.M., Kaiserslautern, Recklinghausen, usw.) seine Arbeiten. So sind zurzeit einige Werke von Winter in folgenden Ausstellungen zu sehen:

  1. Vom 29. November 2009 bis 23. Januar 2010 in der Darmstädter Galerie Netuschil. Gruppenausstellung: 13 künstlerische Positionen aus Darmstadt und der Region – Malerei und Collage, Plastik und Skulptur.
  2. Vom 7. November bis 17. Dezember 2009 in der Mannheimer Galerie Keller (Gerd Winter {Malerei} & Matthias Will {Skulptur}).
  3. Vom 21. November bis 3. Januar 2010 auf der Darmstädter Mathildenhöhe (“Kritische Masse”, Gruppenausstellung).

Frankfurter Magazin Redakteur Gerald Block besuchte den Maler in seinem Atelier.

Gerd, Bevor du dich für die Malerei interessiertest, hast du einen ordentlichen Beruf gelernt. Welchen?

Ich habe eine Lehre als Großhandelskaufmann in einem pharmazeutischen Betrieb absolviert.

Wer oder was öffnete dir die Tür zur Kunst?

Der Bücherschrank in meinem Elternhaus. Darin stand das Werk “Die Malerei des Abendlandes”, durch welches ich u. a. Dali, Mondrian und Matisse kennenlernte. Darüber hinaus gehörte ich während meiner Gymnasialzeit einem Kunstfreundeskreis an, in dem gemalt, geschrieben und diskutiert wurde.

Wann war dir klar, dass die Malerei das ist, was du wolltest?

Eigentlich schon während des Lehramtsstudiums (Kunst/Deutsch), das ich meinen Eltern zuliebe gewählt hatte. Dennoch spürte ich da bereits, dass ich nur malen wollte.

Und was hat dich 1979 an die Hochschule für bildende Künste (Städel-Schule) nach Frankfurt a.M. geführt?

Das Darmstädter Landesmuseum – weil ich dort eine Ausstellung des mir unbekannten Raimer Jochims sah, die etwas in mir ausgelöst hat. Als ich dann erfuhr, dass er als Professors am Städel lehrt, habe ich meine Fäden gespannt, weil ich mir vorstellen konnte, dort zu studieren.

Welcher Richtung bzw. Schule gehörst du an?

Man nennt sie die “klassische Farbfeldmalerei”, die von drei großen Amerikanern: Ad Reinhardt, Barnett Newman und Mark Rothko schon fast zu Ende geführt ist. Ich richte mich in meiner Nische ein und versuche, meine Malerei zu kultivieren.

Auf deiner Homepage hat die Berliner Schriftstellerin Ines Geipel eine Menge von Begriffen zusammengetragen, die sich allesamt mit ‘Farbe’ beschäftigen. Was bedeutet ‘Farbe’ für dich?

Sie ist wie atmen und nichts anderes als Lebensenergie. Aus diesem Grund besitzen einige meiner Bilder Titel wie “zweiter Atem” oder “Hauch”.

Favorisierst du bewusst bestimmte Farbtöne?

Nein, – ich male in Zyklen. Und momentan befinde ich mich in einer Blauphase… Wenn ich mich irgendwann ausagiert habe, folgt unbewusst ein anderer Ton.

Bist du mehr der haptische (begreifende), der auditive (hörende) oder der visuelle (sehende) -Typ?

Eigentlich der Typ, der sowohl das Visuelle als auch das Haptische bedient. Wenn man einige meiner Bilder betrachtet, wird das Haptische schon angeregt, weil da eine Kruste oder dort eine Malschicht, die sozusagen pastos (dick aufgetragen) ist, nach vorne ragt.

Und was inspiriert den Künstler Winter ganz besonders?

Z. B. ein ‘Himmel’ mit all seinen tollen Wolkenformationen. Für mich gibt’s nichts Interessanteres als der Blick nach oben. Dort entdecke ich Vordergrund, Hintergrund und alle Farben dieser Welt. Ich saug’s auf und versuch’s – manchmal sehr abstrakt – in meine Sprache zu überführen.

Bist du denn als Freischaffender völlig frei von Trends bzw. Moden?

Natürlich versuche ich, nicht von Markttrends abhängig zu sein. Dennoch gibt es Sammler, von denen man weiß, dass sie diese oder jene Farbe bevorzugen. Denen wird man manchmal ‘gerecht’. Daher gibt’s bisweilen Einflüsse, denen man sich nicht so einfach entziehen kann.

Wie war das für dich, als du 2005 den Wilhelm-Loth-Preis der Stadt Darmstadt (deinen zweiten Preis) erhalten hast?

Schön, – weil man mich wahrgenommen hat. Und gerade bei diesem Preis, der mit einem Katalog und einer großen Ausstellung verbunden ist, hatte ich das Gefühl, nun ‘geadelt’ zu sein… Allerdings denke ich mir, “lass dir das bloß nicht zu Kopf steigen, sonst verlierst du die Bodenhaftung”.

Verteuern sich deine Bilder durch solche Auszeichnungen?

Ja, in der Tat. Dennoch muss man nicht vergessen, dass meine Werke ausschließlich über Galerien verkauft werden, die einen erheblichen Teil des Erlöses bekommen. Wenn man dazu die Steuerlast rechnet, sind schnell 60 bis 70 Prozent weg.

Wie werden eigentlich die Preise deiner Werke bestimmt?

Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig – wobei Qualität die primäre Rolle spielt. Die Ausbildung des Künstlers ist wichtig, seine Auszeichnungen, solche Überlegungen, wie Ankäufe von Sammlungen beziehungsweise wie der Künstler generell wahrgenommen wird.

Was würdest du dir im Hinblick auf dein Schaffen noch wünschen?

Ich möchte mit meiner Arbeit weiterhin wirken und wahrgenommen werden. Es freut mich, wenn man erkennt, dass da ein lebensbejahender Mensch agiert, dessen Haltung auch auf andere Lebensbereiche übergeht. Daher möchte ich meine Vorstellung von Schönheit anhand meiner Werke zeigen.

Hast du mittlerweile gefunden, was du künstlerisch suchst?

Ich bin auf dem Weg dorthin und guter Hoffnung, es vollends zu finden. Allerdings besagt ein Aphorismus, dass der Künstler, der sich gefunden hat, sozusagen am Ende des Weges angekommen ist. Daher gilt auch für mich: “Der Weg ist das Ziel!”

Danke für das Interview!

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