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Glückloses Selbstmord- Attentat

veröffentlicht von Daniela Röcker am 30. März 2009 Kategorie Satire. Du kannst allen Kommentaren dieses Beitrags folgen RSS 2.0. Du kannst einen Kommentar oder einen Trackback für diesen Beitrag hinterlassen

Manchmal reicht es einfach nicht mehr aus, sein ungeborenes Kind zu töten. Auch die Tötung von niedlichen, pausbäckigen Säuglingen bringt irgendwann nicht mehr den erwünschten Kick, wenn man im ostdeutschen Ödland wohnt, und, da das Wort “Strukturwandel” ein ganz böses Wort im politischen Kontext ist, ohne Zukunftsaussicht auf einen anständigen Job bleibt.

Möglicherweise frustriert es auch, von neidischen Nachbarn auf die hübschen Nacktfotos in der Bildzeitung angesprochen zu werden, die diese ohne Rücksprache von der eigenen Internetseite kopierte und bar jeder Bezahlung für ihre Titelseiten verwendete und auch noch den eigenen Namen gegen eine klangvollere Variante austauschte.

In diesem Augenblick kann es hilfreich sein, die Internetseite www. selbstmord-attentaeter.de (Adresse geändert, Anm. d. Red.) zu besuchen. Unter diversen Angeboten hat man dort die Möglichkeit, sich umfassend über seine Einsatzgebiete, technische Ausstattung der Sprengsätze, etc. zu informieren und nach einem kurzen Eignungstest wird man als ordentlich registrierter SAT (Kürzel für “Selbstmordattentäter”, Anm. d. Red.) nach deutschen Richtlinien in die Community aufgenommen.

Das Frankfurter Magazin wurde bereits vor Monaten auf diesen Anbieter aufmerksam und schaltete daher in einschlägigen Fachzeitschriften eine Stellenanzeige für “Freiwillige Testpersonen im Bereich soziale Studien”. Zahlreiche Zuschriften erreichten die Redaktion, so dass aus einem ansehnlichen Pool äußerst qualifizierter Bewerber schließlich Mandy B. aus H. ausgewählt werden konnte. Zwar scheiterte sie an der letzten Frage im Eignungstest (“Was ist der Koran?”), aber durch eine kleine Spende an den Ausbildungsleiter konnte man den Fauxpas ausgleichen.

Mandy wurden im Laufe ihrer Ausbildung fundierte Kenntnisse zur Zusammensetzung von Sprengsätzen, adäquates Verhalten an verschiedenen Einsatzorten mit wechselnder Zielgruppe und Sprengstoffgürteldesign vermittelt. Darüber hinaus erlangte sie theoretische Kenntnisse über das Leben nach dem Tod – hier wurde leider nur die muslimische Variante vermittelt, aber man bot ihr an, die christliche, jüdische und buddhistische Variante in Wahlpflicht-Kursen nachzuholen.
Ihre praktische Zwischenprüfung (Anfertigen und Auslösen eines Sprengsatzes ohne eigenes Ableben) legte Mandy mit Auszeichnung ab, denn der von ihr fachmännisch angefertigte Sprengsatz detonierte wie geplant im einzigen Supermarkt ihrer Heimatstadt, legte aber zusätzlich die Elektrik der einzigen Tiefkühltheke lahm, die alsbald einen stechenden Geruch von sich gab und somit für die Entdeckung von vier, dort gelagerten, toten Säuglingen sorgte.

Der Filialleiter, der die Kinder ordnungsgemäß verschweißt als TK-Ware anbieten wollte, nahm sich im Zuge der polizeilichen Ermittlungen das Leben und seine Frau, die für das Amt der Bürgermeisterin kandidiert hatte, wurde von einer aufgebrachten Anwohnerin, die mit der TK-Ware ihre Familie zum Weihnachtsfest beglücken wollte, mit Steinen beworfen und befindet sich seitdem im Wachkoma. Zusätzlich sorgte der Fall dafür, dass sich Nachahmer fanden – nämlich Frauen, die sich während ihrer Schwangerschaft dazu entschlossen, ihre Babys ebenfalls zu töten und in den heimischen Tiefkühltruhen zu lagern.
Mandy bekam eine besondere Auszeichnung für “Erratische Auswirkungen bei nicht geplanten Attentaten” und schrieb kurz danach den Eingangstext für ihre geplante Dissertation “Multiple Kettenreaktionen bei Selbstmordattentaten im Kontext sozialpsychologischer Aspekte und kognitiver Dissonanzen”.

Mandys Abschlussprüfung wurde auf Sonntag, den 29. März 2009, 14.00 Uhr terminiert und zwar zum “verkaufsoffenen Sonntag mit Autoschau in Gerolstein”. Die Redaktion des Frankfurter Magazins war vollzählig zum Termin anwesend, um Mandys Triumph von der ersten bis zur letzten Sekunde zu dokumentieren und eventuell selbst zu einer nachfolgenden Kettenreaktion beitragen zu können. Gut gelaunt und angeregt plaudernd wartete man bei sonnig-kaltem Vorfrühlingswetter auf den Startschuss.

Als um 14.03 Uhr jedoch keine Anzeichen eines Blutbades zu erkennen waren und auch der blonde Lockenkopf Mandys in der Menschenmasse von rund dreißig Gerolsteinern samt eigens zu diesem Event angereister Touristen nicht auszumachen war, beschloss man, sie per Handy zu kontaktieren.

“Scheiße, ich hab‘ die Uhr nicht umgestellt!”, erklang es am anderen Ende der Funkverbindung.
Nun ja, wenigstens unverhütet poppen kann sie.

(c) Daniela Röcker 2009

1 Antwort für “Glückloses Selbstmord- Attentat”

  1. [...] Glückloses Selbstmordattentat (Frankfurter Magazin) [...]

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