“Wir wollen Erotik rüberbringen. Jetzt nicht Porno, oder so. Nee, einfach erotisch soll es sein.” sagt das DSDS-Pärchen. Und RTL schneidet die Szenen dazu so gekonnt, daß der Zuschauer denken muß, zwischen beiden knistere es.
Von DSDS-Teasern ist man gewohnt, dass sie “klong”, “dotz” und “boing” machen und je selbstbewußter der Kandidat darin auftritt, umso sicherer kann man sein, dass die Darbietung gruselig sein wird. “Klong”, “dotz” und “boing” haben sich die Macher gespart – schließlich sehen wir ja schon den Recall, also die, äh, Crème de la Crème aus zig Tausend Bewerbern. Aber Grusel durfte man erwarten und wurde nicht enttäuscht. Und trotzdem gab es direkt eine Überraschung: Der Auftritt kam bei den Juroren an!
Nunja, ich möchte nicht über Bohlens Erotikverständnis spekulieren, aber ein bißchen mehr gehört da schon dazu, als sich auf dem Boden zu wälzen und Strapse zu zeigen. Über die musikalischen Aspekte lasse ich mich gar nicht aus. Und ja, es gibt noch zwei andere Jury-Mitglieder. Wie heißen die doch gleich?
Großartig ist natürlich, dass man die wenigsten der Kandidaten aus den Castings kennt, denn da werden bekanntlich ja nur die Vollpfosten gezeigt. Das ist Usus seit es DSDS überhaupt in Deutschland gibt. (Nur das Verhältnis hat deutlich zugenommen.)
Am Samstag jedenfalls konnte man den “härtesten Recall aller Zeiten” sehen. Also den “härtesten Recall aller Zeiten”. Und zwar auf Teneriffa. Dort fand der “härteste Recall aller Zeiten” nämlich statt. Hab ich schon erwähnt, das es sich um den “härtesten Recall aller Zeiten” handelt? Nicht, dass jemand denkt, ich wiederhole mich hier beständig. Ich fasse nur die Moderation der ersten 15 Minuten zusammen.
Und was bedeutet das nun? Och, eigentlich nur, dass die Macher ordentlich bei Germany’s next Top Model abgekupfert haben: Bikiniauftritte, Bunjee Jumping und Ekelviehzeugs. Der Unterschied ist, dass die Kandidaten bei DSDS dazu singen müssen, während die Klum-Hühnchen nur hübsch aussehen sollen. Als Zuschauer fragt man sich natürlich, wozu das alles? Wurde in Teneriffa versucht, Kampfkandidaten zu züchten? Möchte man die Teilnehmer auf das harte Show-Business vorbereiten? (Schlangen, tiefer Fall – ist ja durchaus metaphorisch.)
Nein, natürlich nicht. Hintergrund ist ein medienwirksamer Auftritt (Bikini und Gekreische/Geheule), um Quote zu erzielen. Viel wichtiger ist aber für die Juroren, gleich diejenigen herauszufischen, die nicht bereit sind, nach der Pfeife der möglichen Produzenten zu tanzen. Die Kandidaten müssen “formbar” sein. Oder, anders ausgedrückt: Sie dürfen nicht aufmucken, am Ende gar mit einem Anwalt gegen den Knebelvertrag vorgehen oder – ganz schlimm – Dieter Bohlen und seine Musik scheiße finden. Die Kandidaten, die Top Ten und der Gewinner oder die Gewinnerin sind ja Konsumobjekte. Sie werden auf den Markt geworfen, verheizt und fallen gelassen. Das ist schließlich das Konzept der Casting-Shows. Triebmittel sind die Illusionen, das Streben nach Außergewöhnlichem, das “ich will es allen zeigen”. Was eigentlich? Dass man sich perfekt zum Affen machen kann? Dass man für ein halbes Jahr “Ruhm” alles tun würde? Da gibt es Kandidaten, die “härter als alle anderen kämpfen” und “keinen Plan B” haben. Das ist traurig und vorallem mitleiderregend.
Was dabei auf der Strecke bleibt, ist die Musik. Aber das ist ja nichts neues.






